Ostfriesland-Handicap

Handicap und Querschnittlähmung in Ostfriesland an der Nordsee

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Der intermittierende Katheterismus bei neurogener Blasenfunktionsstörung

Leitlinien der deutschen Gesellschaft für Urologie

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4.3 Frequenz
Die Frequenz des intermittierenden Katheterismus sollte hoch genug sein um eine chronische Blasenüberdehnung (ständige Kapazitäten < 500 ml) zu vermeiden, andererseits aber so niedrig, dass der Tagesablauf nicht übermäßig beeinträchtigt wird. Bei normaler Flüssigkeitszufuhr (1,5 - 2 Liter täglich) sollten mit 4-6 maligem Katheterisieren pro Tag diese Ziele erreichbar sein. Diese Katheterismusfrequenz weist auch in Langzeitbeochtungen die besten Ergebnisse mit der geringsten Infektquote auf.
 
4.4 Kapazität
Bei Detrusorhyperaktivität sollte die medikamentöse Unterdrückung der Blasenaktivität eine Kapazität von mindestens 400 ml ermöglichen. Bei einer entsprechenden Katheterismusfrequenz sollte Harnkontinenz erreicht werden. Bei zu hoher Speicherkapazität und zu geringer Katheterismusfrequenz besteht die Gefahr einer Inkontinenz wie bei chronischer Harnretention.
 
4.5 Infektprophylaxe
Zur Infektprophylaxe werden ansäuernde Maßnahmen empfohlen (L-Methionin, Preiselbeerextrakt, u. a.). Eine antibiotische Prophylaxe als Routinemaßnahme ist nicht erforderlich und ist mit Risiken behaftet.
 
Adjuvante medikamentöse Therapie
Bei Detrusorhyperaktivität sind anticholinerge Medikamente Therapie der Wahl. Bei nicht ausreichender Wirksamkeit oder Unverträglichkeit kann mit der Injektion von Botulinum-Toxin in den Detrusor über mehrere Monate eine weitgehende Unterdrückung der Detrusoraktivität erreicht werden (off-label use). Auch Vallinoide, wie z. B. Capsaicin oder Resiniferatoxin (Rtx) können eine Detrusordämpfung bewirken (bisher in Deutschland ebenfalls nicht zugelassen).
 
Harninkontinenz und Harnwegsinfekt
Harninkontinenz kann verschiedene Ursachen haben. So kann z.B eine nicht ausreichende Detrusordämpfung vorliegen. Bei hoher Trinkmenge und zu geringer Katheterismusfrequenz kann Inkontinenz als Folge einer Überfüllung der Blase eintreten.
Bei Vorliegen eines Infektes kommt es zu einer Verstärkung der Detrusorhyperaktivität mit Inkontinenz und bei nicht befriedigender Versorgung der Inkontinenz wiederum zu rezidivierenden Infekten, da eine ausreichende Unterdrückung der Detrusorhyperaktivität durch Anticholinergika oder Botulinum-Toxin dann oft nicht mehr zu erreichen ist.
 
Literatur:
Leitlinien urologische Betreuung Querschnittgelähmter, Urologe A 1998, 37; 221-228, Springer-Verlag 1998
EAU Guidelines on Neurogenic lower urinary tract Dysfunction, Stöhrer, Castro-Diaz, Chartier-Kastler, Kramer, Mattiasson, Wyndaele, Februar 2003
Der intermittierende Katheterismus bei neurogener Blasenfunktionsstörung, Stöhrer, Sauerwein, Urologe B, 2001 41;354-368, Springer-Verlag 2001
Neurogene Blasenfunktionsstörung, Stöhrer, Madersbacher, Palmtag, Springer-Verlag Berlin 1996
 
Verfahren zur Konsensbildung:
Experten:
 M. Stöhrer, Murnau
H. Palmtag, Sindelfingen
für den Arbeitskreis Urologische Funktionsdiagnostik und Urologie der Frau :
S. Alloussi, P.- M. Braun, S. Bross, M. Goepel, A. Haferkamp, C. Hampel, H. Heidler, K. Höfner, M. Hohenfellner, K.-P. Jünemann, K.-U. Laval, H. Madersbacher, H. Palmtag (Vorsitzender), J. Pannek, W. Schäfer, D. Schultz-Lampel, S. Schumacher, M. Stöhrer
 
für die DGU-Leitlinienkommission:
B. Göckel-Beining, A. Heidenreich, H. Rübben, W. Thon, J.W. Thüroff, W. Weidner
 
Erstellungsdatum: Juni 2005
Quelle: Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften
 
Weitere Themen zum Katheterismus bei Ostfriesland-Handicap : 
Argumentationshilfen zur Kostenübernahme des intermittierenden Katheterismus
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