Der intermittierende Katheterismus bei neurogener Blasenfunktionsstörung
Leitlinien der deutschen Gesellschaft für Urologie
2.2 Kontinenz
Bei konsequenter Durchführung des Katheterismusregimes mit erfolgreicher medikamentöser Unterdrückung der pathologischen Blasenkontraktilität und bei Infektfreiheit wird in den Intervallen zwischen dem Katheterisieren Kontinenz erreicht.
3. Material
Grundvoraussetzung für diese Form der Blasenentleerung sind Katheter und Kathetersysteme zum einmaligen Gebrauch, die in unterschiedlicher, speziellen Bedürfnissen angepasster Form im Handel erhältlich sind und als ableitende Inkontinenzprodukte geführt werden.Katheter, die bei neurogener Blasenfunktionsstörung als Einmalkatheter Verwendung finden, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllen: Spitze und Katheteraugen dürfen keine scharfen Kanten haben, die Verpackung muss steril, leicht zu öffnen und leicht zu entsorgen sein. Der Katheter sollte wegen der Gefahr einer Latexallergie vor allem bei Patienten mit Myelomeningocele (MMC) latexfrei sein. Die Herstellerfirmen sollten die Gleitfähigkeit ihres Produktes nachweisen, da die Gleitfähigkeit eine besondere Bedeutung für die Risikominimierung (sekundäre Strikturbildung) beim intermittierenden Katheterismus hat. Dies trifft sowohl für Katheter mit hygroskopischer Beschichtung als auch auf solche mit zusätzlicher Gleitmittelanwendung zu.
3.1 Kathetergruppen
Generell kann man drei Gruppen von Kathetern unterscheiden:
1. sog. Einfachkatheter
2. atraumatische Katheter
3. Kathetersets.
Zum chronischen Gebrauch sollten lediglich die zweite und dritte Gruppe bei Patienten mit neurogener Blasenfunktionsstörung angewendet werden.
3.1.1 Einfachkatheter, die zum einmaligen Katheterisieren
eines Patienten angewendet werden, z. B. bei einem Harnverhalt oder zur Uringewinnung ( z. B. Notfallversorgung in Arztpraxen ).
Diese Katheter sind wegen ihres hohen Traumatisierungspotentials nicht geeignet für Patienten, die sich dauerhaft mehrmals täglich katheterisieren müssen. Sie haben in der Regel einfach ausgestanzte scharfkantige Katheteraugen, häufig hochgezogene harte Spitzen. Die Gleiteigenschaften sind nicht untersucht. Teilweise sind diese Produkte so glatt, dass das Gleitmittel keine Haftung hat und dann ein hoher Reibungswiderstand zur Traumatisierung der Urethralschleimhaut führt. Diese Katheter können meist nicht aus der Hülle in die Harnröhre eingeführt werden, sondern müssten bei gefordertem aseptischen Vorgehen mit sterilen Handschuhen oder steriler Pinzette eingeführt werden. Diese notwendigen Hilfsmittel verursachen ihrereseits zusätzliche Kosten. Derartige Billigprodukte sind auf Grund ihrer mangelhaften technischen Ausstattung für Langzeitpatienten nicht geeignet.
3.1.2. Atraumatische Katheter, die für das wiederholte Katheterisieren über lange Zeiträume geeignet sind. Besondere Merkmale dieser Katheter sind eine atraumatische Spitze, abgerundete Katheteraugen ohne scharfe Kanten, und eine Oberfläche, die zusammen mit den speziellen Gleitsubstanzen ein Optimum an Gleitfähigkeit besitzt. Die Hersteller derartiger Katheter müssen den Nachweis über die besondere Gleitfähigkeit ihrer Katheter führen. Die Verpackung des Katheters sollte so beschaffen sein, dass ein Einführen ohne Berührung und ohne zusätzliche Handschuhe aseptisch erfolgen kann.
Diese Katheter sind zum Langzeitgebrauch unter überwiegend häuslichen Bedingungen geeignet.
Diese Katheter sind zum Langzeitgebrauch unter überwiegend häuslichen Bedingungen geeignet.
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