Der intermittierende Katheterismus bei neurogener Blasenfunktionsstörung
Leitlinien der deutschen Gesellschaft für Urologie
1. Einleitung
Der intermittierende Katheterismus, meist als Selbstkatheterismus durchgeführt, hat sich bei Patienten mit neurogener Blasenfunktionsstörung oder myogener chronischer Restharnbildung weltweit als "Therapiestandard" durchgesetzt.
Etwa 70% aller Patienten mit neurogener Blasenfunktionsstörung können mit dieser konservativen Therapie erfolgreich behandelt werden. Sowohl Patienten mit primär hoher Restharnbildung bei neurogener bzw. myogener Detrusor- Hypo- / Akontraktilität als auch Patienten mit einer neurogenen Detrusorhyperaktivität (sogenannte Reflexblase) können mit dieser Technik lebenslang ohne Gefährdung ihrer Nierenfunktion oder ihrer Lebenserwartung versorgt werden.
Etwa 70% aller Patienten mit neurogener Blasenfunktionsstörung können mit dieser konservativen Therapie erfolgreich behandelt werden. Sowohl Patienten mit primär hoher Restharnbildung bei neurogener bzw. myogener Detrusor- Hypo- / Akontraktilität als auch Patienten mit einer neurogenen Detrusorhyperaktivität (sogenannte Reflexblase) können mit dieser Technik lebenslang ohne Gefährdung ihrer Nierenfunktion oder ihrer Lebenserwartung versorgt werden.
1.1 Steriler intermittierender Katheterismus
Eingeführt wurde der intermittierende Katheterismus durch Sir Ludwig Guttmann, der während des 2. Weltkrieges in Großbritannien durch mehrmaliges steriles Katheterisieren am Tag die sonst üblichen schwerwiegenden Komplikationen am unteren und oberen Harntrakt vermeiden konnte. Ein steriler Katheterismus durch geschultes Pflegepersonal war damals allerdings nur im Rahmen eines Klinikaufenthaltes möglich.
1.2 Sauberer / hygienischer intermittierender Katheterismus (CIC)
Lapides hat 1972 in den USA eine vergleichende Studie durchgeführt an Patienten mit transurethralem Dauerkatheter und solchen, die sich mehrmals täglich unter stark vereinfachten Bedingungen selbst katheterisierten. Die Ergebnisse der selbstkatheterisierenden Patienten (Clean Intermittent Catheterisation CIC) waren so wesentlich besser als der Patienten mit transurethralem Dauerkatheter und Dauerableitung, dass sich CIC über Jahrzehnte etablieren konnte. Eine kritische Bewertung dieser Technik erfolgte lange nicht, obwohl in der Literatur über eine hohe Inzidenz an symptomatischen Harnwegsinfekten und andere Sekundärkomplikationen ( Epididymitis, Prostatitis usw.) berichtet wurde. Beim sauberen / hygienischen Katheterismus werden nicht ausschließlich sterile Utensilien verwendet. So werden z. B. einige Katheter wieder verwendet oder die Gleitmittel sind nicht steril.
1.3 Aseptischer intermittierender Katheterismus
Da die Blase beim Gesunden keimfrei ist, wurde im deutschsprachigen Raum in den letzten 15 Jahren zunehmend der intermittierende Selbstkatheterismus aseptisch durchgeführt. Der aseptische Katheterismus verwendet ausschließlich sterile Utensilien; es werden jedoch im Gegensatz zum sterilen Katheterismus auf sterile Abdeckungen, sterile Handschuhe und Mundschutz verzichtet. Dadurch ist der aseptische Katheterismus weniger zeit-, material- und kostenaufwendig als der sterile Katheterismus. Die zur Verfügung stehenden Hilfsmittel für den hygienischen und den aseptischen Gebrauch sind kostengleich, der Aufwand ist identisch. Umfangreiche retrospektive Analysen haben gezeigt, dass man mit dem aseptischen Selbstkatheterismus ohne antibiotische Prophylaxe die Infektinzidenz bis auf etwa einen Infekt pro Jahr reduzieren kann. Diese Ergebnisse belegen, dass der aseptische Selbstkatheterismus dem sauberen CIC (hygienischen) deutlich überlegen ist. Auf Grund von Datenlage und Expertenmeinung hat sich der aseptische intermittierende Katheterismus bzw. Selbstkatheterismus heute in ganz Europa durchgesetzt (Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Urologie, 1998, Guidelines der European Association of Urology , EAU, 2003).
2. Indikation und Ziel
Grundsätzlich ist der intermittierende Katheterismus oder Selbstkatheterismus dann indiziert, wenn eine Blasenentleerungsstörung auf Grund einer Detrusorhypo- oder -akontraktilität vorliegt, wenn der Blasenauslasswiderstand höher ist, als die verbliebene Detrusorkontraktilität, oder wenn eine neurogene Detrusorhyperaktivität (mit Inkontinenz) vorliegt, die medikamentös unterdrückt und beherrscht werden kann.
2.1 Niederdruckreservoir
Vorrangiges Ziel dieser Maßnahme ist es, die Blase druckfrei und vollständig zu entleeren. Speziell bei Patienten mit Detrusorhyperaktivität ist es essentiell, die Druckanstiege durch Unterdrückung der Blasenmuskelaktivität in der Speicherphase soweit abzusenken, dass keine druckbedingte Gefährdung des oberen Harntraktes besteht. Da bei Erfolg dieser drucksenkenden Maßnahme eine Blasenentleerung (reflektorisch ) kaum noch möglich ist, muss im Kontext mit dieser Therapie konsequenterweise die Blase durch intermittierenden Katheterismus entleert werden.



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